Elternsein heißt: verschiedene Perspektiven vereinen

Auf dem Bild sieht man es ziemlich gut: Ich sitze da, freundlich und geduldig, aber ein Teil fehlt. Daneben mein Partner, sichtbar nur mit den Beinen, während er sich unter den Kissen versteckt. 

Genau so fühlt es sich oft im Familienalltag an. Wir bringen unterschiedliche Erinnerungen aus der eigenen Kindheit mit, Werte, die uns geprägt haben, kleine und große Erfahrungen, die unser Denken beeinflussen. Daraus entstehen ganz unterschiedliche Blickwinkel. Was für den einen selbstverständlich ist, wirkt auf den anderen vielleicht völlig fremd. Doch statt nur meine Lösung durchzusetzen oder den anderen außen vor zu lassen, braucht es Zusammenarbeit. Vater- und Mutterblickwinkel sind verschieden und genau darin liegt die Stärke. Gemeinsam finden wir einen Weg, der für alle passt. Elternsein bedeutet nicht, dass immer einer „Recht“ haben muss. Sondern dass wir lernen, uns gegenseitig einzubeziehen, auch wenn es manchmal unbequem ist. 

Und manchmal wird es noch komplexer. Familie ist nicht immer nur Mama, Papa, Kind. Wenn Eltern getrennt sind, wächst das Netz automatisch, so wie bei uns. Unsere Tochter hat gleich vier Familien. Einmal mich, mit meinem Partner, großem Bruder plus unseren Angehörigen und einmal ihren Papa mit seiner Frau, kleinen Bruder plus deren Angehörigen.  

Das bedeutet, noch mehr Perspektiven, noch mehr Einfluss, noch mehr Liebe, aber auch die Notwendigkeit, sich einzulassen. Kompromisse zu finden, tolerant zu sein, andere Sichtweisen zu respektieren. Denn nur so entsteht ein Umfeld, in dem Kinder erleben, dass Vielfalt bereichernd sein kann. 

Am Ende profitieren vor allem unsere Kinder davon. Sie erleben, dass Vielfalt normal ist und dass man trotz Unterschieden als Team stark sein kann. 

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